
Was Sie hier sehen: den Nasdaq 100 als Monatschart – jede Kerze ein Monat, seit Bestehen des Index bis heute. Zwei parallele Trendkanäle, derselbe Steigungswinkel.
Sieht aus wie ein Naturgesetz, oder?
Ist es nicht.
Schauen Sie auf den orangen Kreis. Genau dort, kurz vor 2000, hätten die meisten gesagt: völlig überbewertet, irrational, das muss fallen.
Und dann brach der Index nach oben aus. Der Absturz kam erst danach.
Das ist der Punkt: Wer den exakten Verlauf eines Index vorhersagen will, verliert – nicht, weil ihm das Können fehlt, sondern weil es schlicht nicht geht. Märkte bleiben länger irrational, als die eigene Geduld reicht. Und die Überraschung kommt oft nach oben.
Deshalb stelle ich keine Prognosen. Mein Ansatz ist ein anderer:
👉 Rahmenbedingungen statt Richtung. Ich frage nicht „Wo steht der Nasdaq in drei Monaten?”, sondern „Stimmen die Bedingungen für ein Investment gerade – oder nicht?”
👉 Trend und Sentiment statt Bauchgefühl. Diese Bedingungen lassen sich für Indizes sehr gut messen – z.B.: die Lage zu langfristigen gleitenden Durchschnitten, die Marktbreite (wie viele Werte den Trend tatsächlich tragen), das Put/Call-Verhältnis und die implizite Volatilität als Stimmungsmesser. Zusammen ergeben 44 Indikatoren ein Framework, keine Meinung.
👉 Getestet, nicht geglaubt. Das Regelwerk durchläuft mehr als nur In- und Out-of-Sample: Walk-Forward-Validierung (rollierend statt einmalig), Block-Bootstrap (gegen Zufall und Reihenfolge-Effekte), Sensitivitätsanalysen der Parameter und mehr. Was nur in der Theorie funktioniert, fliegt raus.
Eine Prognose ist eine Wette auf die eigene Klugheit. Ein Regelwerk ist die Entscheidung, sie nicht überschätzen zu müssen.
Das Erste fühlt sich klüger an. Das Zweite bleibt handlungsfähig, wenn es ungemütlich wird.
Wie gehen Sie mit dem Drang um, den Markt vorhersagen zu wollen?