
Drei Linien, rund fünf Jahre, und folgender Gedanke dazu:
Der S&P 500 läuft inzwischen näher am Nasdaq 100 als an seiner eigenen gleichgewichteten Variante.
Kurz zur Einordnung: Der S&P 500 umfasst die 500 größten US-Unternehmen, gewichtet nach Marktkapitalisierung. Der S&P 500 Equal Weight enthält dieselben Firmen, jede aber mit rund 0,2% Anteil. Der Nasdaq 100 bildet die 100 größten Nicht-Finanzunternehmen der Nasdaq ab, ebenfalls cap-gewichtet und traditionell Tech-lastig.
Auf dem Chart:
👉Nasdaq 100 (grün) +203%
👉S&P 500 (rot) +120%
👉Equal Weight (blau) +82%
seit Anfang 2020.
Was viele für den Inbegriff breiter US-Diversifikation halten, hat sich still und leise in eine konzentrierte Wette verwandelt.
Aufschlussreich ist ein Muster aus den letzten Monaten.
Beim Zollschock im Frühjahr 2025 gab der Equal Weight mit nach – sein damaliges Hoch hat er bis heute nicht zurückerobert, während S&P 500 und Nasdaq 100 längst wieder Rekorde feiern.
Beim Iran-Krieg war es umgekehrt: Der konzentrierte S&P 500 korrigierte tiefer als die gleichgewichtete Variante – und holte danach in Rekordtempo wieder auf.
Konzentration schneidet in beide Richtungen. Die Rally ist damit kein breites Phänomen, sondern das Werk einer überschaubaren Gruppe von Unternehmen.
Ein Blick auf die Bewertungen macht das Bild rund. Das Forward-KGV des S&P 500 – also das Verhältnis des Kurses zu den in zwölf Monaten erwarteten Gewinnen – ist zuletzt von rund 23 auf etwa 20 zurückgekommen (per 9.4.2026). Klingt unspektakulär, ist aber bemerkenswert: Die Gewinnerwartungen steigen weiterhin solide. Die Bewertung sinkt nicht, weil die Gewinne bröckeln, sondern weil die Kurse in der Breite nicht mehr so konsequent mitziehen wie die Gewinnschätzungen.
In meinen Augen ist das eine gesunde Entwicklung. Der langfristige Durchschnitt des Forward-KGV liegt historisch bei rund 16,6 – Luft nach unten bleibt. Genau diese leise Rekalibrierung unter der Motorhaube ist das, was ein zwischenzeitlich stark überbewerteter Markt braucht.
Die Top 10 Positionen stellen aktuell rund 38% des S&P 500, im Jahr 2000 waren es knapp 23%. An der Spitze:
👉Nvidia (7,17%)
👉Alphabet (6,39%)
👉Apple (5,86%),
👉Microsoft (5,33%)
👉Amazon (3,98%)
gefolgt von Broadcom, Meta, Tesla, Berkshire Hathaway und Eli Lilly.
Besonders eindrucksvoll: Nvidia allein wiegt im Index mehr als der gesamte Energie- oder Versorgungssektor.
Wer heute einen S&P 500-ETF kauft, kauft also keine 500 breit gestreuten US-Unternehmen, sondern eine klare Richtung: Mega-Cap, Technologie, KI. Das läuft großartig, solange diese Unternehmen liefern – und wird unangenehm, wenn sie pausieren.
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Quelle Grafik: TradingView