
𝗪𝗮𝗿’𝘀 𝗱𝗮𝘀 𝗺𝗶𝘁 𝗱𝗲𝗺 𝗥𝗼𝗵𝘀𝘁𝗼𝗳𝗳𝗯𝗼𝗼𝗺?
Laut der Grafik anbei nicht.
Drei Phasen, jedes Mal exakt 15 Jahre, jedes Mal Zuwächse zwischen +222% und +525%. Das klingt nach Numerologie. Nach kosmischen Wellen. Nach den Charts, die ich normalerweise weiterscrolle.
Aber zwei Schritte zurückzutreten lohnt sich. Im Kern ist ein Rohstoffzyklus das Ergebnis von Investitionsentscheidungen, die heute getroffen werden – und erst in 10, 15, 20 Jahren Wirkung entfalten.
Eine neue Kupfermine braucht global im Schnitt 17 bis 20 Jahre, von der Exploration bis zur ersten verschifften Tonne. Die durchschnittlichen Erzgrade sind über die letzten Jahrzehnte von 1–2% auf unter 0,6% gefallen. Wir bewegen heute mehr Erde als je zuvor, um weniger Kupfer zu fördern. Vier Jahrzehnte chronisches Underinvestment im Mining-Sektor lassen sich nicht in zwei Jahren reparieren.
Und das ist nur die Angebotsseite.
Auf der anderen Seite stehen Treiber, die im letzten Zyklus (1993–2008, China-Industrialisierung) nicht einmal Teil der Modellannahmen waren. Künstliche Intelligenz und der damit einhergehende Datacenter-Boom haben innerhalb von 24 Monaten einen völlig neuen, säkularen Demand-Layer geschaffen. Hyperscaler wie Meta, Microsoft und Amazon schließen heute direkte Stromabnahmeverträge mit Kernkraftwerken. Uranpreise notieren auf Rekordniveau. Kupfer wird gleichzeitig für Energiewende, Stromnetze und AI-Infrastruktur benötigt – während das Angebot strukturell träge bleibt. Dazu kommen Zentralbankkäufe von Gold in Größenordnungen, wie wir sie seit Bretton Woods nicht mehr gesehen haben.
Mit anderen Worten: Was im Chart wie Esoterik aussieht, ist in Wahrheit das Spiegelbild zweier sehr träger Realitäten. Capex-Entscheidungen im Mining wirken über Jahrzehnte. Und säkulare Demand-Treiber wie AI verschwinden nicht in zwei Quartalen.
Die +51%, die wir bisher sehen, könnten deshalb nicht das Ende, sondern erst das frühe Mittelfeld dieses Zyklus markieren. Die Historie legt es nahe. Die Fundamentaldaten ebenfalls.
Und ja – die Lage am Persischen Golf ist Teil der Geschichte. Aber wer Rohstoffe nur durch diese kurzfristige Brille betrachtet, verpasst möglicherweise das Wesentliche.
Esoterik? Vielleicht.
Aber dann eine, die sich erstaunlich gut mit harten Zahlen erklären lässt.
Quelle Grafik: Sentimentrader
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