
𝗙𝗶𝗻𝗮𝗻𝘇𝗱𝗲𝘂𝘁𝘀𝗰𝗵 – 𝗗𝗲𝘂𝘁𝘀𝗰𝗵
Nach 25 Jahren in der Branche spreche ich u.a. diese zwei Sprachen fließend. Zeit für ein kleines Wörterbuch.
„Vorsichtig optimistisch“ – der offizielle Aggregatzustand der Branche seit 1987 (Ihr checkt die Jahresreferenz😉). Hausse? Vorsichtig optimistisch. Crash? Vorsichtig optimistisch. Die einzige Prognose, die nie falsch war – weil sie nichts bedeutet.
„Selektive Chancen“ – übersetzt: Wir wissen es auch nicht. Aber irgendetwas steigt immer, und darauf zeigen wir dann rückblickend.
„Gesunde Konsolidierung“ – wir sind im Minus. Aber „gesund“ klingt besser als „es fällt“. Kein Patient würde diese Diagnose akzeptieren.
„Langfristig intakt“ – kurzfristig katastrophal. Je länger der Zeithorizont im Satz, desto schlimmer das Quartal dahinter.
„Kaufgelegenheit“ – wir waren zu früh. Häufig gefolgt von einer noch besseren Kaufgelegenheit.
„Wir beobachten die Lage aufmerksam“ – wir tun nichts. Was übrigens oft die richtige Entscheidung ist. Nur sagt das niemand so.
Ehrlich gesagt: Ich habe jede einzelne davon selbst schon benutzt. Manche öfter, als mir lieb ist.
Das ist das Tückische an Floskeln. Sie klingen nach Analyse – und ersetzen sie.
Deshalb mein Vorsatz, seit ich auf eigene Rechnung arbeite: Wenn ich etwas nicht weiß, sage ich es. Das ist kürzer. Und verständlich.
Welche Floskel fehlt im Wörterbuch? Welche Finanzsprech Nebelbomben sind Euch schon so untergekommen?
Folge 2 coming soon.