𝗜𝘀𝘁 𝗱𝗲𝗿 𝗠𝗮𝗿𝗸𝘁 𝘇𝘂 𝘁𝗲𝘂𝗲𝗿?

Ganz einfach: Kommt darauf an, wie viel Zeit Sie haben. Ich weiß, das ist genau die Sorte Antwort, die man von jemandem in meinem Beruf nicht hören möchte. Drei Grafiken aus dem aktuellen Guide to the Markets von J.P. Morgan zeigen aber ziemlich gut, warum sie trotzdem stimmt.

Fangen wir bei den Bewertungen an. Die USA liegen aktuell bei einem 12-Monats-Forward-KGV von rund 19,6, der Median seit dem Jahr 2000 bei 16,6. Asien ohne Japan steht bei 10,2 und damit unter seinem eigenen Median von 12,5. Was mir in dieser Grafik am meisten auffällt, sind allerdings die orangen Punkte: So gut wie jede Region war Anfang 2026 teurer als heute. Die Bewertungen sind zurückgekommen, ohne dass sich das für irgendjemanden nach Ausverkauf angefühlt hätte.

Die zweite Grafik ist die, bei der es meistens still wird, wenn ich sie im Gespräch auflege. Sie zeigt das Forward-KGV des S&P 500 und den Ertrag der folgenden zwölf Monate. Beim heutigen Niveau von knapp 20x liegen die historischen Ergebnisse irgendwo zwischen deutlich im Minus und sehr ordentlich im Plus. Wenn Sie in dieser Punktwolke ein Muster erkennen, sehen Sie mehr als ich – und ehrlich gesagt auch mehr, als drin ist. Bewertung als Timing-Signal für das nächste Jahr ist ungefähr so verlässlich wie ein Wetterbericht für den kommenden Sommer.

Daneben, gleiche Achse, gleicher Datensatz, nur zehn statt einem Jahr: Da wird aus der Wolke plötzlich eine Linie. Je teurer eingestiegen wurde, desto magerer der annualisierte Ertrag danach. Beim aktuellen Niveau landete man historisch überwiegend im niedrigen bis mittleren einstelligen Bereich. Nicht schlecht. Aber eben auch nicht das, was die letzten zehn Jahre den Leuten an Erwartung antrainiert haben.

Bei Anleihen ist es unspektakulärer und deshalb angenehm: Die Anfangsrendite erklärt den Ertrag der folgenden fünf Jahre recht zuverlässig. Global rund 3,6 Prozent heute, historisch folgte daraus meist Ähnliches, oft etwas mehr.

Ich lese daraus keine Prognose. Ich lese daraus eine Planungsgrundlage – und die Frage, die mich in der Vermögensverwaltung wirklich beschäftigt: Woher kommen die Erträge in einem Portfolio eigentlich, wenn der eine große Motor über Jahre nur im Standgas läuft? Deshalb kombiniere ich Strategien, die möglichst wenig miteinander korrelieren und sich in ihren Ertragsquellen ergänzen, statt alles an dieselbe Geschichte zu hängen.

Was ich mich in letzter Zeit oft frage: Mit welcher Ertragserwartung planen Sie für die nächsten zehn Jahre – und woher stammt diese Zahl eigentlich?

Quelle Grafiken: J.P. Morgan Asset Management, Guide to the Markets – EMEA. KGVs: 12-Monats-Forward, Perzentile und Median seit 2000. Stand der Daten: 30. Juli 2026.

Marketingmitteilung. Keine Anlageberatung und keine Anlageempfehlung. Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse.