
Um 20:00 Uhr unserer Zeit veröffentlicht die Fed nicht nur ihren Zinsentscheid unter dem neuen Chairman Kevin Warsh, sondern auch den sogenannten Dot Plot. Für viele klingt das nach Insider-Sprache, deshalb habe ich mir gedacht, ich erkläre es schnell.
Der Dot Plot gehört zu den Projektionen, die die Fed viermal im Jahr veröffentlicht. Jeder der 19 Notenbanker im Ausschuss setzt darin anonym einen Punkt – dorthin, wo er den Leitzins zum jeweiligen Jahresende für angemessen hält. Ein Punkt, ein Mitglied. Welcher Punkt zu wem gehört, bleibt offen.
Spannend ist nicht der einzelne Punkt, sondern das Gesamtbild. Drei Dinge kann man daraus ablesen:
👉 Den Median, also den Punkt in der Mitte. Er gilt als das zentrale Signal dafür, wo der Ausschuss die Zinsen sieht.
👉 Die Verschiebung zum letzten Mal. Im März lag der Median für 2026 bei 3,4 %. Wandert er heute nach oben, sagt das mehr als jede Formulierung im Begleittext.
👉 Die Streuung der Punkte. Liegen sie eng beieinander, herrscht Einigkeit. Streuen sie weit, ist der Ausschuss gespalten – nach dem 8-zu-4-Votum im April durchaus möglich.
Und jetzt das Wichtigste, was oft untergeht: Der Dot Plot ist keine Zusage. Er sagt nicht „so kommt es”, sondern „so sehe ich es heute, wenn sich die Wirtschaft wie erwartet entwickelt”. Eine Momentaufnahme von Erwartungen, die sich mit jeder neuen Zahl verschiebt.
Deshalb lese ich ihn als das, was er ist: ein wertvolles Stimmungsbild der Notenbanker, keinen Fahrplan für die Märkte.