
Spoiler: fast nichts. Und genau deshalb zeige ich die Grafik.
Jurrien Timmer von Fidelity pflegt seit Jahren dieses Dotcom-Analogon. Er legt den heutigen Markt über die Jahre 1994–2002. Die Passgenauigkeit ist bemerkenswert — im Preis wie in der Bewertung.
Was zu sehen ist:
👉 Realer S&P 500 — inflationsbereinigt, damit nicht die Geldentwertung die Kurven auseinanderzieht. Schwarz: heute. Grün: die Dotcom-Jahre.
👉 5-Jahres-CAPE — das Kurs-Gewinn-Verhältnis, geglättet über fünf Jahre Gewinne. Ein einzelnes schwaches Gewinnjahr verzerrt die Bewertung so nicht. Heute 32,5. Das Analogon stand an derselben Stelle bei 35,1.
👉 Der Ankerpunkt — Timmer setzt das LTCM-Tief 1998 mit dem Zoll-Tief vom Frühjahr 2025 gleich. Alles, was danach so verblüffend zusammenpasst, hängt an dieser einen Setzung.
Und da liegt für mich der eigentliche Gedanke.
Die Analogie ist nicht deshalb so präzise, weil sich Geschichte wiederholt. Sie ist so präzise, weil jemand einen Ankerpunkt gewählt hat, ab dem sie präzise ist. Ein halbes Jahr verschoben — und das Bild zerfällt.
Timmer schreibt das selbst offen dazu: Irgendwann bricht dieses Analogon, so wie am Ende jedes bricht. Nur läutet niemand eine Glocke, wenn es soweit ist.
Und selbst wenn die Analogie am Ende recht behielte: Sie sagt nichts darüber, wann. In Märkten ist das Wann aber die eigentliche Information. Alles davor ist eine gut erzählte Geschichte. Deshalb hängt in meinem Prozess keine einzige Entscheidung an einer Analogie.
Solche Charts sehe ich mir trotzdem gerne an. Sie schärfen den Blick. Sie ersetzen ihn nicht.
Wie halten Sie es mit historischen Analogien — Denkanstoß oder Ablenkung?
Quelle Grafik: Jurrien Timmer, Fidelity (Stand 12.07.2026)